Tunesien: Desolate Corona-Lage
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Mehr und mehr Infektionen: In Tunesien steigen die Corona-Infektionszahlen weiter an. In der vergangenen Woche (Mittel Juli) wurden täglich zwischen 3500 und 4000 Neuinfektionen gemeldet – unter den Erkrankten war auch Tunesiens Ministerpräsident Hichem Mechichi. Besonders intensiv getestet, wird in Tunesien allerdings nicht. Viele Krankenhäuser sind wegen der zahlreichen Covid-19-Patienten überlastet. -
Ausgangssperren und Lockdowns: Im gesamten Land gilt eine nächtliche Ausgangssperre - bereits seit Oktober 2020. Je nach Inzidenzahl hat die Regierung zudem Lockdowns für einzelne Städte und Regionen verhängt - und diese von der Außenwelt abgeriegelt. So wie hier in der Stadt Manouba im Nordosten. Die höchsten Inzidenzzahlen gibt es in den Städten Beja, Siliana, Zaghouan - und in Kairouan. -
Die Kairouan ist vollständig abgeriegelt. Kairouan liegt etwa 150 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Tunis. Die Stadt mit etwa 120.000 Einwohnern hat derzeit eine der höchsten Infektionsraten im Land mit weit über 400 Infektionen auf 100.000 Einwohner. Der Platz vor der Moschee ist normalerweise voll mit Menschen und es herrscht reges Treiben. Doch Kairouan ist derzeit abgeriegelt und erinnert eher an eine Geisterstadt. -
Ambulanzen im Dauereinsatz: Nur noch wenige Straßenverkäufer und wichtige Geschäfte sind weiterhin geöffnet. Dafür sind die Krankenwagen im Dauereinsatz und transportieren COVID-19-Erkrankte in die Krankenhäuser von Kairouan. -
In den Krankenhäusern wurden Corona-Stationen eingerichtet. Seit mehreren Wochen halten sich die hohen Infektionszahlen in Kairouan. Da die Krankenhäuser in der Stadt aufgrund des hohen Infektionsgeschehens überfordert waren, gab es nicht überall sofort COVID-19-Stationen. Diese wurden mittlerweile aber eingerichtet, um infizierte und nicht-infizierte Patienten bestmöglich voneinander zu trennen. -
Viele Ärzte und Pflegepersonal haben sich mit dem Virus infiziert. Auch einige Ärzte und Angehörige des ohnehin knappen Pflegepersonals haben sich mit dem Coronavirus infiziert und fallen daher zeitweise aus. Auch deswegen müssen einige Patienten so lange mit Sauerstoff versorgt werden, bis man einen Krankenhausplatz in einer anderen Stadt für sie findet. -
Die Zahl der Toten steigt. Zwischen acht und zehn Personen sterben derzeit in Kairouan täglich an den Folgen einer Coronavirus-Infektion. Seit Beginn der Pandemie sind in Tunesien offiziellen Angaben zufolge insgesamt fast 15.000 Menschen gestorben. -
Die Delta-Variante breitet sich in Tunesien aus. Ärzte und Pfleger sind im Dauereinsatz. Das Gesundheitsministerium hat die Bevölkerung zur Einhaltung der Maßnahmen aufgerufen. Nach Angaben des Ministeriums haben sich bisher 18 Personen mit der ansteckenderen Delta-Variante des Coronavirus infiziert. Sieben der 18 Infizierten leben demnach in Kairouan, darunter auch Kinder. Elf Delta-Infizierte stammen aus anderen Städten. -
Schleppende Impfkampagne: Die Impfungen gegen COVID-19 kommen in Tunesien nur langsam voran. Von den rund 11,5 Millionen Bewohnern des Landes wurden bislang erst knapp 1,8 Millionen geimpft, gut 500.000 von ihnen haben laut tunesischem Gesundheitsministerium den vollen Impfschutz erhalten. Ob das Land seinen Plan umsetzen kann, im laufenden Jahr die Hälfte der Bevölkerung zu impfen, scheint fraglich.
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