Von Kolonialmächten seit Jahrhunderten umkämpft

Eine Küstenlandschaft mit einem verschwommenen Mann im Vordergrund.
Nahe der Straße von Hormus: Bandar Abbas mit seinem historisch bedeutsamen Hafen, Iran. (Foto: Picture Alliance / Anadolu | F. Bahrami)

Die Straße von Hormus und Bab al-Mandab wurden von Portugiesen, Niederländern und Briten unter Kontrolle gebracht – immer nur vorübergehend. Heute, da die USA und der Iran um die maritimen Nadelöhre ringen, hält die Geschichte eine Warnung bereit.

Von Ibrahim Al-Marashi

In den letzten Monaten sind die Meerengen von Hormus und Bab al-Mandab zu Symbolen geopolitischer Machtkämpfe geworden. Wer diese schmalen Wasserstraßen kontrolliert, reguliert den Schiffsverkehr vom Arabischen Meer beziehungsweise dem Roten Meer zum Indischen Ozean – und damit einen entscheidenden Teil des Welthandels.

Der Konflikt um die Meerengen ist jedoch fast so alt wie der moderne Seehandel selbst. Der Krieg zwischen den USA und dem Iran um diese strategisch wichtigen Punkte ist nur das jüngste Kapitel in einer jahrhundertelangen Geschichte von wechselnder Dominanz, in der Akteure von außerhalb der Region versuchten, den Nahen Osten zu beeinflussen oder zu beherrschen.

Das China der Ming-Dynastie bietet eines der frühesten Beispiele für eine überregionale Macht, die durch ihre Marine und Diplomatie Stärke zeigte. 1405 unternahm der chinesische muslimische Admiral, Entdecker und Diplomat Zheng He die erste von sieben Expeditionen über den Indischen Ozean. Mit einer Flotte von mehr als 300 Schiffen erreichte er um 1414 die Stadt Hormus und anschließend Aden im Jemen, wobei er durch Bab al-Mandab ins Rote Meer gelangte.

Die Pax Sinica beinhaltete allerdings nicht die Kontrolle über die Meerengen. Stattdessen etablierte China eine starke Handelspräsenz, die auf Machtdemonstrationen zur See, diplomatischen Missionen und einem lukrativen Austausch von Geschenken beruhte. 

Anders als später die Kolonialmächte gründete Zheng He keine Kolonien in Hormus oder an der arabischen Küste. Stattdessen stieg er in das bestehende Handelssystem der Region ein, das von arabischen, persischen, indischen und ostafrikanischen Händlern aufgebaut worden war.

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Die Expeditionen von Zheng He verdeutlichen auch die Grenzen einer überdehnten Seemacht. Nach seiner letzten Reise in den 1430er Jahren führten veränderte Prioritäten in der Ming-Dynastie zum Ende des Unterfangens. Der chinesische Staat war nicht mehr bereit, in seine Marine und deren Instandhaltung zu investieren.

Doch heute noch beruft sich China auf Zheng Hes Reisen, um den chinesisch-nahöstlichen Beziehungen historische Legitimität zu verleihen. Peking präsentiert seine modernen Investitionen in Infrastruktur, Energie und Häfen, wie beispielsweise Gwadar in Pakistan, als Wiederbelebung einer alten und friedlichen Beziehung, die bis zur vormodernen Seidenstraße zurückreicht.

Im 16. Jahrhundert jedoch markierten der Anstieg des globalen Schiffsverkehrs und die Ankunft der europäischen Kolonialmächte schon bald einen Wendepunkt hin zu gewaltsameren und aggressiveren Bemühungen, die Meerenge zu kontrollieren.

Portugals Seeherrschaft

Die Portugiesen waren Pioniere der Seefahrt und führten eine aggressivere Form der maritimen Kontrolle ein, bei der schwere Kanonen auf hochseetauglichen Schiffen zum Einsatz kamen. 1513 griff Afonso de Albuquerque Aden an, um sich den Zugang zum Roten Meer zu sichern. Es gelang ihm jedoch nicht, die befestigte Stadt auf dem Festland einzunehmen, die von steilen Bergen umgeben ist.

Wie auch die USA Jahrhunderte später erfahren mussten, führte die Herrschaft auf See nicht automatisch zu einem sofortigen Sieg an Land. Die portugiesische Marine konnte zwar Schiffe zerstören und Häfen bombardieren, doch die Kontrolle über die Gewässer vor einem Hafen bedeutete noch nicht die Kontrolle über das dahinterliegende Land.

Zwei Jahre später, 1515, gelang es Albuquerque jedoch, die Stadt Hormus einzunehmen und dort den Cartaz einzuführen – ein Gebührensystem für Händler, die den Golf und den Indischen Ozean durchsegeln wollten. Diese Handelsregulierung entspricht im Wesentlichen dem, was der iranische Zoll heute anstrebt.

Die Ruine einer historischen Anlage aus Stein im Iran.
Auf der Insel Hormus im Iran sind noch heute die Ruinen eines portugiesischen Forts aus dem 16. Jahrhundert zu sehen. (Foto: Wikimedia Commons | Iman Fakhri/ CC BY-SA)

Diese Pax Lusitana war gewalttätiger als die vorangegangene chinesische Version. Im Jahr 1622 schlossen sich Streitkräfte der iranischen Safawiden-Dynastie und Schiffe der englischen Ostindien-Kompanie zusammen, um die Portugiesen aus Hormus zu vertreiben und den Handel zu liberalisieren.

Britische und niederländische Übernahme

Nach dem Sturz Portugals rangen osmanische, safawidische, omanische, niederländische und englische Truppen um die Vorherrschaft. Mächtige europäische Schiffe und lokale Herrscher dominierten das System, sie kontrollierten sowohl die Häfen als auch den Warenverkehr.

Die Niederländische Ostindien-Kompanie drang 1614 in die Gewässer vor. Unterstützt von schwer bewaffneten Schiffen, etablierte sie sich im Hafen von Mokka im Jemen. Nach der Vertreibung Portugals erhielten die Niederländer 1623 Handelsprivilegien und konkurrierten mit britischen Händlern in Bandar Abbas, dem wichtigsten Handelsposten am Golf nahe der Insel Hormus.

Während die Briten für Teehandel berühmt waren, dominierten die Niederländer den Kaffeehandel. Zuvor hatte dieser in den Händen von Händlern aus Mokka gelegen. Die Niederländer aber brachen das jemenitische Monopol, indem sie Arabica-Kaffeepflanzen auf die indonesische Insel Java schmuggelten, wo sie in großem Stil angebaut wurden.

Die Niederländer zeigten damit, dass sich das Kräftegleichgewicht zwischen den Seemächten auch durch Produktion und Handel verschieben ließ statt durch Kanonen und Zwang.

Historische Karte aus der holländisch-kolonialen Zeit an der Straße von Hormus.
Eine niederländische Karte der befestigten Stadt Hormus aus dem Jahr 1617. (Foto: Wikimedia Commons | Willem Blaeu)

1839 eroberten die Briten jedoch Aden und gewannen just zu Beginn des Industriezeitalters die Oberhand. Sie schlossen Abkommen mit benachbarten Herrschern und Stämmen im Südjemen, die ihnen faktisch die Kontrolle über Bab al-Mandab sicherten. 

Aden entwickelte sich rasch zu einem zentralen Kohlelager und zum Kommunikationszentrum der Marine, über Telegrafenkabel war die Stadt auch mit Indien verbunden. Mit der Eröffnung des Suezkanals 1869 erlangten die Briten auch die Kontrolle über dieses strategisch wichtige Nadelöhr, bot doch der Weg über das Rote Meer die kürzeste Seeroute zu ihrer Kronkolonie in Indien.

Die britische Hegemonie stützte sich bald auf dampfbetriebene Kriegsschiffe und Häfen sowie auf Kredite und Verträge. Ein Großteil davon wurde von lokalen Stellvertretern entlang der Küste zwischen Aden und Kuwait aufrechterhalten.

Lehren für die USA heute

Nach dem Zweiten Weltkrieg verschob sich das Machtgleichgewicht erneut. Die USA ersetzten Großbritannien, errichteten Militärbasen, entsandten Flugzeugträger und verkauften Waffen im Gegenzug für Öl aus dem Golf. 1980 erklärte US-Präsident Jimmy Carter, jeder sowjetische Versuch, die Kontrolle über den Golf zu erlangen, werde als Angriff auf US-Interessen betrachtet und mit militärischer Gewalt abgewehrt.

45 Jahre später hat Trump die Carter-Doktrin faktisch (wenn auch vielleicht unbeabsichtigt) außer Kraft gesetzt. Zwar schützen heute US-Kriegsschiffe in der Straße von Hormus die Freiheit der Schifffahrt, doch es war Trumps Krieg im Februar 2026, der die Schifffahrt überhaupt erst gefährdete, woraufhin der Iran zu Vergeltungsmaßnahmen griff wie der Störung des Golfhandels.

Die historische Lektion ist, dass maritime Hegemonie überregional zwar möglich, aber nur vorübergehend und flüchtig ist, so vergänglich wie die Wellen, die sie tragen. China gab seine Flotten auf, Portugal verlor Hormus, die Niederländer konzentrierten sich auf Java und Großbritannien verließ Aden. Die Vorherrschaft verschob sich immer dann, wenn hegemoniale Mächte sich übermäßig ausgedehnt hatten, neue Technologien entstanden waren oder lokale Allianzen sich neu formierten.

Der Iran und die Huthis, die kürzlich die Stadt Mokka eingenommen haben, benötigen keine Flugzeugträger. Stattdessen treiben ihre Raketen, Minen und Drohnen die Versicherungskosten für die Schifffahrt in die Höhe. Trotz ihrer Macht auf See können die USA die Handlungsfähigkeit der lokalen Gemeinschaften rund um Hormus und Bab al-Mandab nicht ausschalten. Dass die Kontrolle eines strategischen Engpasses nicht automatisch die Kontrolle über die politische Welt und den Willen der Menschen vor Ort bedeutet, hatten schon alle Imperium vor den USA feststellen müssen. 

 

Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung von The Conversation unter einer Creative-Commons-Lizenz erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel auf Englisch. Übersetzt von Clara Taxis mithilfe KI-gestützter Übersetzungstools.

 

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