KI-Datenzentren werden zur Schwachstelle

Dunkelgrauer Rauch steigt über einer Stadt auf.
Ein Luftangriff in Manama, Bahrain, 28. Februar 2026. (Foto: picture alliance / Anadolu | Stringer)

Die arabischen Golfstaaten haben mithilfe der USA massiv in KI-Infrastruktur investiert. Im Krieg ein potenzielles Ziel: Ein einziger Treffer könnte Krankenhäuser, Banken und Verwaltungen lahmlegen. Doch es gibt Wege, zivile Datenzentren zu schützen.

Von Arash Beidollahkhani

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Die KI-Infrastruktur der arabischen Golfstaaten ist auf Friedenszeiten ausgelegt. Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran hat nun eine neue Realität geschaffen. Rechenzentren, Cloud-Infrastruktur, Satellitenverbindungen und Kabeltrassen befinden sich nun in unmittelbarer Nähe zu aktiven Militärstützpunkten und strategisch wichtigen Energieanlagen.  

Nicht nur Banken, Krankenhäuser und die Verwaltung nutzen diese Anlagen. Teilweise laufen darüber auch sensible staatliche Arbeitsprozesse, etwa die Verarbeitung sicherheitsrelevanter Daten oder die Speicherung vertraulicher Regierungsdokumente. Sobald eine Anlage sowohl zivil als auch für den Sicherheitsbereich genutzt wird, ist ihr Status nicht mehr eindeutig und die Folgen eines Ausfalls wären weit über die militärische Ebene hinaus zu spüren.

Das Risiko eines Angriffs auf die KI-Infrastruktur der Golfstaaten ist nicht mehr bloße Spekulation. In iranischen Medien ist zu lesen, dass Einrichtungen, die mit Elon Musk in Verbindung stehen, zu militärischen Zielen erklärt werden könnten. Andere riefen zu Vergeltungsschlägen auf SpaceX auf, sollte iranische Infrastruktur getroffen werden. Diese Stimmen wurden nur noch lauter, nachdem das Hochleistungsrechenzentrum der Sharif-Universität für Technologie in Teheran beschädigt wurde.

Am 21. Juli erklärten die Revolutionsgarden, sie hätten eine Anlage von Amazon Web Services — dem Cloudanbieter des Konzerns — in Bahrain getroffen. Die Anlage sei Teil des US-Geheimdienstnetzwerks, hieß es. Unabhängig von dieser iranischen Darstellung zeichnet sich eine grundsätzliche Verschiebung ab: Kommerzielle IT-Infrastruktur wird zunehmend militärisch diskutiert.

Die den Islamischen Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Tasnim veröffentlichte sogar eine Liste potenzieller Ziele, auf der Bürogebäude und Infrastruktur zu finden sind, die mit US-Techunternehmen in Verbindung stehen, darunter Google, Microsoft und Nvidia. Zuletzt drohte der Sekretär des iranischen Nationalen Sicherheitsrats Mohsen Rezaei damit, dass der Iran regionale Kabelverbindungen, Datenzentren und KI-Anlagen angreifen würde, falls es erneut zu heftigen Kämpfen kommen sollte.

Eine strategische Front

Während KI-Dienste auf dem Bildschirm immateriell wirken, ist ihre physische Grundlage schwer und verwundbar. Datenzentren benötigen einen ununterbrochenen Stromzufluss, Kühlung, Kabel- und Satellitenverbindung sowie fachgerechte Wartung. Die Anlagen der Golfstaaten sind kostspielig und auf wenige Standorte in der Region verteilt. Sie zu ersetzen würde viel Zeit in Anspruch nehmen. 

Ein Treffer kann eine Anlage außer Betrieb setzen, ohne die Server selbst zu zerstören; schon ein Schaden am Umspannwerk, an der Kühlanlage oder an der Kabeltrasse könnte ausreichen. Unterwasserkabel sind eine weitere Schwachstelle, über sie läuft 99 Prozent des internationalen Datenverkehrs und Reparaturen können sich über Wochen hinziehen.

Die Golfstaaten, insbesondere Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), haben massiv in diese Technologien investiert, um eine „digitale Transformation“ anzustoßen. Ihre Partnerschaften mit führenden US-Techunternehmen versprechen Wachstum und Zugang zu knapper Rechenleistung. Die geografische Konzentration der Anlagen kann Kosten senken, weil Energieinfrastruktur, Kabelverbindungen und Wartung gemeinsam genutzt werden. Im Krieg hingegen macht es sie zu besonders verwundbaren Zielen.

Aktuellen Berichten zufolge stellen die VAE ihre Pläne für einen riesigen KI-Campus nun in Frage. Stattdessen werden dezentralere und besser geschützte Einrichtungen in Betracht gezogen. Zuvor hatten iranische Angriffe regionale Datenzentren beschädigt. So beginnt momentan eine neue Phase der KI-Planung, in der die Sicherheitsarchitektur zunehmend den IT-Ausbau bestimmt.

Iran hat praktische Gründe, auf diese Infrastruktur zu zielen. Das Land kann nicht mit der Technologie und Luftmacht der USA mithalten. Was Iran dagegen kann, ist das Vertrauen zu erschüttern, mit dem große Investitionen in die Digitalwirtschaft getätigt werden. Schon kleinere Störungen können Unsicherheit erzeugen und Versicherungskosten steigen lassen, Bauarbeiten verzögern und Kund:innen dazu bewegen, Aufträge zu verlagern. 

Die Finanzmärkte haben bereits damit begonnen, dieses Risiko einzupreisen. Firmen aus Musks Umfeld rücken in den Fokus, da Satellitenverbindungen, KI und Kommunikation eine immer wichtigere Rolle bei modernen Militäroperationen spielen — doch das Thema reicht weit über den einen einzelnen Milliardär hinaus.

Wird ein Datenzentrum getroffen, wird die Frage nach der Verantwortlichkeit zum Problem. Ein Datenzentrum am Persischen Golf nutzt lokalen Boden und Energie, aber amerikanische Chips und Software und hat private Eigentümer:innen sowie staatliche Kund:innen aus mehreren Ländern. 

Wenn es angegriffen wird, wer verteidigt es? Welcher Staat entscheidet, ob es sich um Krieg, Sabotage oder einen rein kommerziellen Verlust handelt? Wer trägt die Kosten, wenn Banken, Krankenhäuser und kleine Betriebe ihren Zugang verlieren? Cloud-Verträge und Versicherungspolicen wurden im Hinblick auf technische Ausfälle und Cyberkriminalität aufgesetzt. Ein Raketenangriff schafft eine ganz andere Konfliktlage.

Die Eigentumsfrage erschwert zudem die Abschreckung. Bei einem Angriff auf einen US-Stützpunkt ist die politische Botschaft eindeutig und es kann schnell reagiert werden, beispielsweise durch die Androhung von Vergeltung. Ein verdeckter Cyberangriff, beschädigte Kabel oder Attacken mithilfe von Proxys hingegen lassen Raum für Leugnung und Interpretation. 

Iran könnte die Kosten so in die Höhe treiben, ohne US-Truppen direkt anzugreifen. Die Regierungen der Golfstaaten und Washington würden dann unter Druck geraten, zu reagieren, noch bevor die Eigentumsverhältnisse, die Urheberschaft beziehungsweise die militärische Natur eines Vorfalls vollständig geklärt wären. Eine solche Verzögerung könnte eine Eskalation verhindern, sie könnte aber auch weitere Angriffe provozieren.

Zivile Schäden sind das noch größere Risiko. Zahlungs- und Nahverkehrssysteme, die Gesundheitsversorgung und die öffentliche Verwaltung nutzen KI-Infrastruktur. Der militärische Zweck der Anlagen ändert daran nichts. Angreifer:innen müssten stets abwägen, ob ein spezifisches Objekt als militärisches Ziel in Frage kommt und wie groß der erwartete zivile Schaden wäre.

Der Weg zu mehr Resilienz

Die Golfstaaten sollten Datenzentren als vom Krieg betroffene kritische Infrastruktur behandeln. Ein besserer Schutz beginnt mit dem Bau von geografisch verteilten, kleineren Standorten, mit Ersatzanlagen für Strom und Kühlung, mehr Kabeltrassen, Offline-Backups und regelmäßigen Übungen zur Wiederherstellung der Netzwerke. 

Amazon Web Services unterteilt seine Cloud-Infrastruktur in Gruppen von Datenzentren, die „Availability Zones“ genannt werden. Ein regionaler Konflikt würde zeigen, ob diese Zonen weit genug voneinander entfernt sind und ob Kund:innen ihre Daten auch dann noch verschieben können, wenn Grenzen geschlossen wurden oder Regierungen Beschränkungen erlassen haben.

Regierungen müssen klare Regeln für Anlagen aufstellen, die zivilen und militärischen Zwecken zugleich dienen. Sensible Verteidigungsaufgaben sollten von der Infrastruktur getrennt werden, die von Banken, Krankenhäusern, Verkehrsnetzen und Behörden genutzt wird. Techunternehmen müssen erklären, wer Standorte in Privatbesitz verteidigt, für deren Wiederaufbau sorgt und Kund:innen im Falle eines Angriffs entschädigt. Diese Entscheidungen können nicht erst dann getroffen werden, wenn die erste Rakete einschlägt.

Die USA, Israel und ihre regionalen Partner, insbesondere die Regierungen der arabischen Golfstaaten, sollten von weiteren Angriffen auf Irans Wasser-, Elektrizitäts-, Energie- und öffentliche digitale Infrastruktur absehen. Derartige Angriffe erleichtern es Teheran, ähnliche Einrichtungen am Persischen Golf zu legitimen Kriegszielen zu erklären. Das untergräbt den Schutz, unter dem zivile Infrastruktur normalerweise steht, und erschwert zudem beiden Kriegsparteien, deeskalierend zu agieren. 

Die KI-Ambitionen der Golfstaaten werden sich letztendlich daran messen lassen, ob grundlegende Dienste erhebliche Störungen überstehen. Immer größere Datenzentren zu bauen, nützt nichts, wenn ein einziger Treffer das Bankensystem, die Gesundheitsversorgung oder die öffentliche Verwaltung über mehrere Länder hinweg lahmlegen kann. 

Zivile IT-Dienste davor zu schützen, zu einem weiteren Kriegsschauplatz zu werden, sollte für die Region Priorität haben. Beschädigte Anlagen können wiederaufgebaut werden; das Vertrauen in die Golfstaaten als sichere Standorte für Technologien und Investitionen wiederherzustellen würde weitaus länger dauern.

 

Dieser Text ist eine Übersetzung des englischen Originals. Übertragen von Jana Treffler mithilfe KI-gestützter Tools.

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