Sein Bild hing überall in Palästina

Eine Collage, das den palästinensischen Künstler Sliman Mansour und sein berühmtes Gemälde „Kamel der Not“ zeigt.
Sliman Mansour (1947–2026) und „Kamel der Not“, gemalt 1973. (Foto: Sliman Mansour on Instagram/Palestinian Museum Digital Archive)

Das Gemälde „Kamel der Not“ von Sliman Mansour ist eines der bekanntesten Bilder der palästinensischen Kunst. Asmaa al-Ghoul erzählt, wie es zur Ikone wurde und warum es so tief im kollektiven Gedächtnis verankert ist.

Kommentar von Asmaa al-Ghoul

Als Sliman Mansour am 24. August starb, fühlte es sich an, als sei mit ihm ein Teil unserer Kindheitserinnerungen gestorben. Sein berühmtes Gemälde „Jamal Al Mahamel“ („Kamel der Not“) gehörte zu den ersten Kunstwerken, die wir als Kinder in den Flüchtlingslagern sahen. Ohne dass wir es damals ahnten, prägte es früh unser künstlerisches Bewusstsein.

Im Gästezimmer meines Großvaters im Flüchtlingslager Rafah hing es über einem großen Aquarium. So wie in seinem war das Gemälde in den 1980er- und 1990er-Jahren in unzähligen palästinensischen Häusern zu sehen, sowohl in Flüchtlingslagern als auch in den Städten. 

Niemand schien zu wissen, wie sich die Posterdrucke des Motivs so schnell verbreiten konnten, doch das Bild wurde beinahe zum Talisman. Generationen von Palästinenser:innen wuchsen mit dem Gemälde an ihren Wänden auf. Nach Mansours Tod teilten viele das Bild in den sozialen Medien und beschrieben Kindheitserinnerungen, die sie mit dem Motiv verbinden.  

Auf den ersten Blick wirkt das Gemälde expressionistisch: die groben Linien der zerrissenen Kleidung des Trägers, die Krümmung seines Körpers unter der schweren Last und die hervortretenden Adern an seinen Armen vermitteln den Eindruck körperlicher Anstrengung. Doch sobald man darauf achtet, was er auf dem Rücken trägt, ist klar, dass das Gemälde auch Elemente des Surrealismus zeigt – etwas, das an Salvador Dalís schmelzende Uhren erinnert.

Das Gemälde stellt eine Form des magischen Realismus dar, es verbindet die Realität der Besatzung mit Fragen der Identität. Mansour sagte einmal im Interview: „Es ist unmöglich für einen Künstler, in einer Situation wie der des besetzten Palästinas zu leben und kein politischer Künstler zu sein.“ In einem späteren Interview fügte er hinzu: „Der Konflikt dreht sich um Identität. Ich begann meine Arbeit mit der Suche nach Identität, und nun, da mein Leben zu Ende geht, bin ich noch immer auf der Suche.“

Das Gemälde war schließlich berühmter als sein Schöpfer und ragt aus dessen fünf Jahrzehnte umspannenden Werk heraus, das Mansour der Darstellung der vielen Sorgen und Kämpfe des palästinensischen Volkes gewidmet hat.

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Der Künstler malte die ursprüngliche Version des Werkes im Jahr 1973. Drei Jahre später schuf er eine zweite Version, gefolgt von einer Endgültigen im Jahr 2005. Diese unterschied sich laut dem Maler nur geringfügig von den früheren: Er hatte das Werk vergrößert, das gedrehte Seil, mit dem der Mann seine Last trägt, durch eine Art Stoffstreifen ersetzt und eine kleine Kirche hinzugefügt.

Sliman Mansour verstarb im Alter von 79 Jahren in einem Krankenhaus in Ostjerusalem. Seine Beerdigung fand am 26. August in einer vollbesetzten Kirche in Birzeit statt, wo er 1947 geboren wurde.

An der Bezalel-Kunstakademie in Jerusalem schloss er 1970 sein Studium in Kunst und Design ab. Mansour war Gründungsmitglied der Palästinensischen Künstlervereinigung und Co-Autor von Büchern über palästinensische Trachten und Stickereien. Im Laufe seiner Karriere erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter den ersten Preis bei der Ausstellung „Palästinensischer Frühling“ im Jahr 1985.

Die Liste seiner Auszeichnungen wuchs stetig, insbesondere mit dem UNESCO-Sharjah-Preis für arabische Kultur im Jahr 2019 und dem Nile Award für arabische Künstler:innen 2025. Im Jahr 2016 verlieh ihm der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmoud Abbas, die „Medaille für Kultur, Wissenschaft und Kunst, höchste Auszeichnung“ in Anerkennung seines künstlerischen Beitrags zur nationalen palästinensischen Identität.

Die Träger von Jerusalem

In einem Interview von 2021 verriet Mansour, dass es der palästinensische Schriftsteller Emile Habibi gewesen war, der dem Gemälde den Titel „Das Kamel der Not“ gegeben hatte. Nach der ersten Ausstellung des Gemäldes bei der YMCA Ostjerusalem 1975, wollten die Inhaber eines Verlags in der Salah-al-Din-Straße in Jerusalem das Gemälde als Poster drucken und vertreiben. Habibi war zufällig anwesend, als sie über einen passenden Titel berieten. Er schlug den Namen vor und alle waren einverstanden.

Der Titel greift auf einen bekannten Ausdruck zurück, der jemanden beschreibt, der geduldig und ohne Klage schwere Lasten, Schicksalsschläge und Verantwortung erträgt, ohne daran zugrunde zu gehen. 

Mansour erklärte im selben Interview, dass das Gemälde von einer Szene inspiriert sei, die in den 1970er-Jahren in Jerusalem häufig zu beobachten war. Bevor immer mehr kleine Fahrzeuge in der Altstadt beim Transport von Waren zum Einsatz kamen, waren es Träger, die enorme Lasten auf dem Rücken balancierten und sich ebenso aufmerksam wie souverän durch die engen Gassen bewegten. Am meisten beeindruckte Mansour ihre Stärke trotz eines oft zerbrechlichen Körperbaus. Die Träger schulterten oftmals Gewichte, die ihr eigenes weit übertrafen.

Mansour versuchte, die Figur des Gepäckträgers festzuhalten, und führte dazu mehrere Experimente durch. Er selbst hob schwere Gegenstände auf seinen Rücken, darunter einen Kühlschrank und einen Schrank. Das daraus entstandene Gemälde war jedoch unscheinbar.

Die Idee des Trägers ließ ihn nicht los und so suchte er nach einer originelleren Herangehensweise. Schließlich fand er sie. „Nach langem Nachdenken kam mir plötzlich die Idee, Jerusalem zu tragen“, erinnerte er sich. „Zuerst platzierte ich die Stadt in einem Kreis, aber es schien, als könnte sie jeden Moment herunterrollen. Ich ließ die Form also an beiden Enden kegelförmig zulaufen, um der Last Stabilität zu geben.“ Das Ergebnis ähnelt einem Auge mit den Wahrzeichen Jerusalems im Inneren und dem Felsendom im Zentrum. 

Auf die Frage, wie das Gemälde eine so weite Verbreitung fand, antwortete Mansour, das Poster sei von der Kommunistischen Partei Israels gedruckt und in ganz Palästina verteilt worden. So habe es schließlich seinen Weg in die Häuser der Städte, Dörfer und Flüchtlingslager gefunden. 

Das Exemplar, das im Haus meines Großvaters hing, ist irgendwann verschwunden. Ich weiß nicht, ob es bei der Invasion von Rafah 2003 verloren ging, als Teile des Hauses von Bulldozern abgerissen wurden, oder im Krieg 2014, als es vollständig zerstört wurde. Vielen geht es wie mir, sie wissen nicht, wie und wann Mansours Gemälde von den Wänden ihrer Elternhäuser verschwand. In der Erinnerung aber lebt es weiter.

 

Dies ist eine bearbeitete Übersetzung des arabischen Originals. Aus dem Englischen übertragen von Clara Taxis mit Unterstützung von KI-gestützten Übersetzungstools.

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